In Saudi-Arabien kann der Vorwurf des Terrorismus erhoben werden, wenn
eine saudische Frau sich ans Steuer eines Autos setzt und an
internationalen Konferenzen teilnimmt. Vor kurzem verurteilte ein
Sondertribunal für Terrorismus die 31jährige Loujain al Hathloul zu fünf
Jahren und acht Monaten Haft.
Al Hathloul habe eine „ausländische Agenda innerhalb des Königreiches
mit dem Internet umzusetzen versucht und die öffentliche Ordnung stören
wollen“, hieß es in dem Urteil. Sie war durch ihre Kampagne für ein Ende
des Autofahrverbots für Frauen in Saudi-Arabien bekannt geworden. Al
Hathloul wurde im Mai 2018 in Abu Dhabi entführt und festgenommen, kurz
bevor Kronprinz Mohammed bin Salman das Fahrverbot aufheben ließ. Eine
Verhaftungswelle von Frauenaktivistinnen ging damals durch das Land.
Einige Monate zuvor waren Dutzende Angehörige der saudischen Oberschicht
im „Ritz Carlton“ in der Hauptstadt Riad festgesetzt worden, bevor sie
eine Art Lösegeld an den Staatshaushalt zahlten.
Wie lautet das Verbrechen?
Die Zahl der politisch motivierten Verhaftungen und Hinrichtungen hat in Saudi-Arabien in den letzten drei Jahren massiv zugenommen. Die Lage der Frauen ist nur ein Thema unter vielen anderen. Als im Jahr 2002 die Uno-Organisation UNDP den ersten arabischen Entwicklungsbericht vorlegte, waren die Schlussfolgerungen eindeutig: Die Unfreiheit und der Ausschluss der Hälfte der Bevölkerung, also der Frauen, hemmen die arabischen Staaten in ihrer Entwicklung. Dem ist auch 2021, zehn Jahre nach Beginn der arabischen Revolten, nichts hinzuzufügen. Im Gegenteil: Die Lage der Menschen, der Frauen, hat sich infolge der „humanitären Interventionen“ und all der Kriege nur verschärft.
